Die schwere gläserne Siegertrophäe mit Gravur steht im Büro, daneben der Blumenstrauß eines Gratulanten, das Telefon klingelt, viele gratulieren. Die Stimmung der Gewinner des Gründungswettbewerbs "Promotion Nordhessen 2003". |
Volker Zahn aus Volkmarsen und Christopher Stuhlmann aus Twiste, ist am Tag nach der Preisverleihung überaus gelöst. Die jungen Unternehmer ihrer Firma ExpertPack GmbH strahlen, denn mit dem ersten Platz waren 25.000 Euro Preisgeld verbunden, die sich verdoppeln, weil die Firma in Nordhessen gegründet wurde.
Die WLZ wollte wissen, wer und was sich hinter der ExpertPack verbirgt. Der diplomierte Elektrotechnik-Ingenieur Volker Zahn und der Maschinenbautechniker Christopher Stuhlmann wagten als Verpackungsexperten am 1. April diesen Jahres den Schritt in die Selbständigkeit. Sie eröffneten ihr Konstruktionsbüro in der Lütersheimer Straße 30 im Obergeschoss der Firma Zevatron. Beide sind 35 Jahre alt und waren zuvor über Jahre in leitenden- Positionen bei der Firma Kisters- in Bad Arolsen tätig.
Die Jungunternehmer entwickelten eine Verpackungsmaschine für Standbodenbeutel und Faltschachteln, die in verschiedenen Mengen in Kartons verpackt werden müssen, um an den Handel versandt zu werden. Damit, so sind sie sicher, haben sie die derzeit optimale Lösung für die Verpackungsindustrie gefunden. Zu den speziellen Beuteln gehören Standbeutel, wie sie beispielsweise als Nachfüllpackungen und bei Getränken bekannt sind. Faltschachteln und Beutelverpackungen verdrängen nach und nach die teuere Dose, denn die variablen Herstellungskosten der Beutel sinken im Gegensatz zur Dose um bis zu 55 Prozent und benötigen 20 Prozent weniger Standfläche als die Dose, wissen die jungen Firminhaber. Ihre neue Maschine biete vielseitige Möglichkeiten unterschiedlicher Produktformationen und sei mit einer Verpackungsgeschwindigkeit von bis zu 1200 Produkten pro Minute äußerst leistungsfähig. Das sei das Zweieinhalbfache dessen, was durch Maschinen von Wettbewerbern im Moment abgedeckt werden könne.-
Große Chance Und hier sehen die jungen Männer ihre große Chance. "Diese Verarbeitungsgeschwindigkeit eröffnet uns den Markt der Getränke- und Pet-Food-Industrie (Tierfutter), die diese Schnelligkeit erwartet", sind sich beide sicher. Darüber hinaus könnten durch die Maschine auch unterschiedliche Geschmackssorten in einem Karton verpackt- werden. Diese Option, die vom Markt gefordert werde, sei bisher von keinem Mitbewerber gelöst worden. Die Verpackung verschiedener Sorten werden heute noch zum größten Teil per Hand- erledigt. Zahn und Stuhldreher haben sich ihre Entwicklung patentieren lassen. Die noch erweiterbare Maschine wird von Fachbetrieben gefertigt, die Einzelteile anliefern. Der Zusammenbau wird bei ExportPack geschehen. Der Prototyp soll Anfang 2004 fertig gestellt sein. Dann werden die beiden Waldecker Fachmessen bereisen und ihre Beutelverpackungsmaschine anbieten.- Die Neugründer mit ihren jahrelangen Erfahrungen in der Entwicklung, Fertigung und Inbetriebnahme von Verpackungsmaschinen hoffen auf weltweiten Erfolg.
Halle gesucht Für die Produktion wird eine Halle von etwa 200 Quadratmetern Größe, am liebsten in Volkmarsen zur Anmietung gesucht. Das hoch gesteckte Ziel geben beide optimistisch preis: "In fünf Jahren möchten wir 30 Leute beschäftigen". Der erste Mitarbeiter wird in Kürze eingestellt. Es ist ein technischer Zeichner, der auf den Rollstuhl angewiesen ist und Jahrgangsbester des Berufsbildungswerks Bad Arolsen ist. Wenn die- Produktion anläuft, werden Monteure und weitere Spezialisten nötig sein, denn Kundenbetreuung soll rund um die Uhr gewährleistet werden.
Sondermaschinen Die beiden Tüftler setzen ihr Können und Wissen nicht nur für den eigenen Bedarf ein, sondern sind offen für die Entwicklung von Sondermaschinen für vorhandene und potentielle Kunden.-
Begeistert äußern sich die Jungunternehmer über die Unterstützung der Promotion Nordhessen, eine Initiative des Landes Hessen und der Volkswagen AG und zahlreicher Sponsoren und beteuern: "Nicht weil wir gewonnen haben". Vor und in der Gründungsphase seien die regelmäßigen Foren und Beratungen auf den verschiedensten Ebenen sehr hilfreich gewesen und hätten Mut gemacht. (Quelle WLZ, 27.06.2003) |